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 Blutige Robbenjagd in Kanada

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Samtschnauzen
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BeitragThema: Blutige Robbenjagd in Kanada   Mi März 25, 2009 10:27 am

Es wird wieder gejagt in Kanada: 280.000 Robben sollen sterben. Die Empörung darüber gleicht einem Ritual. Dabei stirbt die Robbe auf dem Eis nicht grausamer als das Schwein im Schlachthof. Der Unterschied: Es ist ein öffentliches Gemetzel. Und doch ist es gut, dass der Tod der Tiere berührt.

Die kanadische Filmproduktion „Artek“ dreht 1964 den Schockfilm „Les Phoques“ (Die Robben), das Startsignal für eine Protestbewegung, die bis heute anhält. 1966 zeigt Bernhard Grzimek die scheußlichen Szenen im deutschen Fernsehen. Tausende Zuschauer spenden Geld, damit diese Grausamkeit abgeschafft wird.

Jedes Jahr das gleiche Ritual. Wegen ihrer Pelze sind 280.000 junge Robben zum Töten freigegeben..

Später stellt sich heraus, dass die Filmemacher einen Robbenjäger bezahlt hatten, um einem Tier die Haut bei lebendigem Leibe abzuziehen. Grzimek setzt sich an die Spitze der weltweiten Proteste.

Das kanadische Fischereiministerium gerät unter internationalen Druck und erlässt Verordnungen, die die Jagd einschränken und streng regulieren. 1972 erklärt Grzimek, dass dank der Proteste die Jagdmethoden nun akzeptabel seien. Brian Davies, der die Proteste in Kanada organisiert, fragt ihn, warum er nicht für die grundsätzliche Abschaffung eintritt. Grzimeks Antwort: „Wenn sie sachgemäß getötet werden, sollte man es nicht ablehnen.“ Er steigt aus, doch die Protestmaschine läuft weiter.

Es ist fast schon zum Ritual geworden: Wenn die Jäger ans Werk gehen, steigen die Aktivisten in ihre Hubschrauber und verfolgen sie mit Kameras. Mehrere Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen aus den USA und Europa nehmen durch die Spenden für ihren Robbenprotest alljährlich hohe zweistellige Millionen-Dollar-Beträge ein. Man kann ohne Zynismus behaupten, dass sie ein Problem hätten, sollte die Jagd tatsächlich eingestellt werden.

„Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher“, heißt es in „Animal Farm“. Kanadische Robben rufen mehr Mitleid hervor als irgendeine andere Tierart. Der Grund ist offensichtlich: Sie sehen extrem niedlich aus, können sogar weinen und erinnern an Babys.

Die Vorstellung, dass ein Mensch in der Lage ist, solchen kleinen Wesen den Schädel einzuschlagen, ist abstoßend und unheimlich. Obendrein werden beim Robbenschlachten mehr Säugetiere in kurzer Zeit getötet als bei irgendeiner anderen Form der Jagd. Und alles findet nicht hinter hohen Schlachthofmauern statt, sondern öffentlich auf dem Packeis.

Das Thema ist moralisch vermint. Wer versucht, sich ihm rational zu nähern, setzt sich dem Vorwurf der Herzenskälte aus. Doch Bürger aus Nationen, die alljährlich Millionen Stalltiere für größtenteils nicht lebensnotwendige Zwecke verbrauchen, haben kein Recht, die Kanadier pauschal zu verdammen. Warum soll es uns erlaubt sein, auf Hasen und Rehe zu schießen, den Kanadiern jedoch nicht, Robben zu erlegen?

Wenn man wie Grzimek das Töten von Tieren nicht grundsätzlich ablehnt, gibt es drei Argumente dagegen.

Wenn Jagd die Art bedroht.

Wenn sie grausam ist.

Wenn der Mensch dadurch verroht.

Ersteres wird von keiner Naturschutzorganisation behauptet. Mit einem Bestand von über fünf Millionen Tieren allein in kanadischen Gewässern (plus einigen Millionen in der Barentssee und im Weißen Meer), fallen die Sattelrobben nicht unter Artenschutz.

Der Streit konzentriert sich daher seit Jahren auf die Frage, ob die Methoden grausam sind. Die auf dem Eis liegenden Jungtiere werden größtenteils mit Kopfschüssen erlegt oder aus nächster Nähe mit einem Knüppel erschlagen. Dies wird von staatlichen Kontrolleuren überwacht und ist strengen Regeln unterworfen. Die Fachleute, darunter eine vom WWF finanzierte internationale Tierärztekommission, kamen immer wieder zu dem Ergebnis, dass diese Tötungsweisen ebenso sicher sind wie das Bolzenschussgerät und die Elektrozange auf den Schlachthöfen. Dass manche Tiere danach noch zappeln, wie Filmaufnahmen immer wieder zeigen, erklären Zoologen mit dem Schwimmreflex von Robben, der auch bei zerstörtem Gehirn eintritt.

Bliebe als Argument, dass durch die blutige Tat der Jäger selbst seelischen Schaden nimmt. Kant argumentierte, dass Menschen moralisch verrohen, wenn sie Tieren Gewalt antun. Das gilt für jeden Jäger oder Kopfschlächter. Doch der Gedanke erhält besonderes Gewicht, wenn es um ein hilfloses Tier geht, das dem in jedem Menschen unterbewusst wirkenden Kindchenschema so sehr entspricht.

Bei allem Respekt vor kanadischen Fischern, die ein hartes Leben führen und mit der Robbenjagd oftmals ein Drittel des Familieneinkommens erwirtschaften. Dieses Töten erschüttert nicht nur sentimentale Tierfreunde. Man müsste sich mehr Sorgen um die Menschheit machen, wenn sie anders empfände.

Quelle

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Gruß
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